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Morbus Meniére und die Würde des Menschen

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Die Würde des Menschen ist unantastbar (Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz) Jeden Meniére - Anfall habe ich bei vollem Bewusstsein ertragen müssen. Mit klaren Gedanken die eigene Hilflosigkeit erdulden zu müssen, ist aus meinem Selbstverständnis heraus nicht nur quälend, sondern auch entwürdigend. Der längste Anfall dauerte mehr als dreißig Stunden, in denen ich auch Angst hatte, aus dem Bett zu fallen. Und ich musste zur Toilette in dieser Zeit. Diese letzte bisschen Würde wollte ich mir von meinem Feind Meniére nicht nehmen lassen. So bin ich auf allen vieren zum Bad gekrochen und wieder zurück. Das hat mich physische Kraft gekostet aber auch sehr viel psychische Kraft gegeben. Kraft, die ich dringend brauchte, um durchzuhalten. In einer Situation, in der jede Minute zur Ewigkeit wird. Nach diesem Anfall habe ich auf die Gentamicinbehandlung gedrängt. Leon Wurmser, ein Psychiater und Psychoanalytiker, versteht die Scham als Hüterin der menschlichen Würde. Daraus schließe ich, dass wer s

Die Analyse meiner Anfälle

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… Wenn Du Deinen Feind kennst und Dich selbst kennst, brauchst du das Ergebnis von 100 Schlachten nicht zu fürchten. Sunzi (um 500 v. Chr.), chinesischer General und Militärstratege, »Die Kunst des Krieges« Was passierte mit mir bei einem MM Anfall? Um eine möglichst genaue Analyse durchzuführen, habe ich mir alle Kleinigkeiten in Erinnerung gerufen. Das war insofern schwierig, als dass sich die Zeitspanne der einzelnen Phasen proportional zu der Anfallshäufigkeit verkürzte. Die ersten Anfälle habe ich mir zurückgerufen. Zu Beginn war diese merkwürdige Übelkeit. Sie unterschied sich von »normalem« Unwohlsein dadurch, dass ich bereits in dieser Phase das Bedürfnis hatte, mich hinlegen zu wollen. Anfangs hielt diese Beklemmung mehrere Stunden an. Später habe ich sie nur kurz wahrgenommen. Vermutlich reagierte der Körper bereits auf eine Zunahme der Innenohrflüssigkeit. Irgendwann setzte dann das Gefühl ein, als hätte ich Watte im Ohr, das mit einem Druckgefühl verbunden war. Fast

Das Innenohr – Ein Meisterwerk der Natur

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Warum ist es so schwierig, diese Krankheit zu diagnostizieren und, was noch schlimmer ist, sie nicht heilen zu können? Es wird ein Überdruck in der Gehörschnecke vermutet, der diese Anfälle auslösen soll. Das menschliche Labyrinth hat eine ungefähre Breite von 1,6 cm. In der Gehörschnecke, im Verhältnis dürfte diese vielleicht 5mm groß sein, entdecken wir die Reissner-Membran. Es wird vermutet, dass ein zu hoher Druck auf die Reissner-Membran zum Einreißen dieses Häutchens führen kann und so einen Menière'schen Anfall auslöst. Das Innenohr ist ein sehr wichtiges Organ, darum hat die Natur es sicher eingebettet. Vielleicht kann ich einen Vergleich anbringen. »Der Rote Faden«, der sich durch das Leben zieht. Goethe hatte ihn in seinem Werk »Wahlverwandtschaften« erwähnt. Die Schiffe der Britischen Krone waren mit Tauen ausgestattet. In diese wurde ein roter Faden eingearbeitet und wiesen dadurch das Eigentum aus. Dieser Faden konnte nicht entfernt werden, ohne das Tau zu zerstören.

Das Kesselhaus

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… Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst, eine Niederlage erleiden ... (Sunzi, um 500 v. Chr, »Die Kunst des Krieges«) Mit etwas Phantasie habe ich mir folgende Situation vorgestellt: Seit meiner Geburt, so stellte ich mir vor, lebe ich in einem Haus. Im Keller befindet sich die Heizungsanlage, die für Wärme im Winter und Warmwasser für das ganze Jahr sorgt. Gut geschützt in dieser Anlage befindet sich ein Kessel. Der muss mit Wasser gefüllt sein. Ein Schwimmer sorgt dafür, dass bei Minimum ein Ventil geöffnet wird, das Wasser bis Maximum zuführt. Dann schließt sich dieses Ventil wieder. Das Ventil bekommt irgendwann einen Wackelkontakt. Es ist ein Montagsventil. Das äußert sich dergestalt, dass es manchmal nicht mehr schließt. Dann wird der Kessel über Maximum mit Wasser gefüllt. Der Schwimmer scheppert gegen den oberen Kesselrand. Das versetzt den Kessel in Schwingungen. Der Elektronenverwutzler J sendet Fehlinformationen an

»Keinen Bock und keine Ziege« Die sozialen Kontakte

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Meinen MM begleitete ein zunehmender Hörverlust. Auf der linken Seite war ich ertaubt. Die rechte Seite bereitete mir zunehmend Sorgen. Es war und ist nicht nur so, dass ich schlecht höre. Mir ist die Fähigkeit abhanden gekommen, Geräusche räumlich zuzuordnen. Auch, Geräusche zu filtern. Was in der Praxis bedeutete, dass ich einer Kakophonie begegne, sobald ich mit mehr als einer Geräuschquelle konfrontiert wurde und werde. So gerne wie ich in früheren Zeiten Tanzen gegangen bin, so unerträglicher wurden diese Momente für mich, weil ich nur noch schmerzhaften Krach empfangen habe. Der Burnout sorgte dafür, dass ich mich noch weiter zurückzog. Meine sozialen Beziehungen litten. Wobei mir die Therapie Denkanstöße lieferte, die Qualität meiner Kontakte genauer unter die Lupe zu nehmen. Es gab eine Phase, da wachte ich morgens auf, schaffte es zu frühstücken, zu duschen und mich anzuziehen, um mich im Anschluss daran, völlig erschöpft wieder hinzulegen. Vermutlich wird das nur jemand nac

»Du darfst keine Angst zeigen!«

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Angst war mein Thema. Darum habe ich diesem dummen Spruch sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Habe mir wieder die kleine Sylvie in Erinnerung gerufen und mit ihr die Situation mit dem Schäferhund. Dem Kind, dem auferlegt wurde, keine Angst zu zeigen in einer bestimmt lebensbedrohlichen Lage. In einer Kampf oder Flucht Situation, in der das Gehirn die schlagartige Freisetzung von Adrenalin veranlasst. In der Herzschlag, die Körperkraft und die Atmungsfrequenz erhöht sind. Und in der noch etwas geschieht, etwas was der Mensch nur bedingt wahrnehmen kann: in der Angstschweiß ausbricht. Keine Angst zu zeigen bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Die erwachsene Sylvia wusste längst, dass viele Tierarten über wesentlich besser funktionierende Riechorgane verfügen als Menschen. Sie können die Angst der Menschen riechen. Das hat dem Schäferhund das Gefühl der Überlegenheit gegeben. Das konnte die kleine Sylvie nicht wissen. Es tat mir gut, das innere Kind in mir zu trösten. Diese Überlegun

Die Sache mit den dummen Sprüchen

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»Du darfst nicht weglaufen!« bedeutete für mich lange Zeit auch, Verantwortung zu übernehmen für das Fehlverhalten anderer. Selbstverständlich die Konsequenzen zu tragen, wenn mir dadurch Nachteile entstanden sind. Denn ich trug quasi immer eine Mitschuld, wenn etwas schief lief. Vermutlich trug der Erziehungsstil meiner Eltern zu einer Manifestierung bei. Ein Ereignis alleine kann ein solches Verhalten sicher nicht erklären. Denn dieses »Du darfst nicht weglaufen!« war ein dummer Spruch der mir von einer dummen Frau gesetzt wurde, um ihr eigenes Versagen, ihre Unfähigkeit auf mich abzuwälzen. Dieser komischen Logik folgend, sollte ich auch Mitschuld an meinem Menière Desaster tragen. Wie ich oben schon ausführte: »Leider sind die genaueren Hintergründe dieser Erkrankung immer noch nicht bekannt, dementsprechend ist es schwierig, eine gezielte Behandlung durchzuführen.« und: »Vermutet wird jedoch, dass Auslöser der Schwindelanfälle und auch die Ursache der Schwerhörigkeit, eine patho

Du darfst nicht weglaufen!

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… Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen. (Sunzi, um 500 v. Chr, »Die Kunst des Krieges«) Dem alten chinesischer General und Militärstratege folgend, trat ich eine Reise in meine Vergangenheit an, um mich besser kennenzulernen. Ein Ereignis kam mir in den Sinn, das ich durchaus als ein Schlüsselerlebnis werten kann. Wie alt ich damals war, konnte ich nicht genau bestimmen, aber ich muss sechs oder sieben Jahre alt gewesen sein. Aus irgendwelchen Gründen musste ich einen anderen Heimweg als den üblichen von der Schule wählen. Meine Erinnerung war mit Bildern versehen, ich sah mich an einem Haus vorbeigehen. Das Eingangstor stand auf und plötzlich kam ein Schäferhund auf mich zugelaufen. Ich erinnere mich, wie ich die Flucht vor dem Hund ergriff, wie ich stolperte und hinfiel, wie dieser Hund über mir lag und an mir schnüffelte. Ich muss geschrieen haben. Dann spürte ich, wie dieser große Hund von mir weggezogen wurde und hörte die Stimm

Ein Sturz ins Bodenlose

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viele haben es versucht nicht einem ist es gelungen ich bin der einzige mensch der es schafft mich kaputt zu machen Dieser kurze Text ist in dieser Zeit entstanden, in einem Zustand emotionaler Erschöpfung, verbunden mit reduzierter Leistungsfähigkeit: ich war ausgebrannt. Meine Seele zeigte dem Geist und dem Körper was es bedeutet, wenn sie vernachlässigt wird. Auf dem Zenit meines Burnout hatte ich das Gefühl, nur noch aus Angst zu bestehen. Nicht nur Angst vor dem nächsten Anfall war mein ständiger Begleiter. Die Angst vor allem und jedem legte sich wie ein Tuch auf mich. Endlich war ich aber auch bereit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und damit meiner Seele Raum und Kraft zu geben. Begleitend zu meiner Therapie schrieb ich die Texte zu »menière desaster«, versuchte, wie durch eine schützende Wand aus Panzerglas, die Ereignisse der vergangenen Zeit an mir vorbeiziehen zu lassen. Dabei wurde mir bewusst, dass ich selbst für meinen Erschöpfungszustand verantwor

Etwas in mir musste sterben, damit ich wieder leben konnte

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Das Buch »menière desaster - Der Feind in meinem Innenohr« endet mit der Gentamycinbehandlung, die ich, als ultima ratio, habe durchführen lassen. Vorher kamen die Anfälle im Abstand von zwei Tagen, der letzte Anfall quälte mich über mehr als 30 Stunden. Es wird jeder nachvollziehen können, dass ich am Ende meiner physischen und psychischen Kräfte war. Der Menière wurde dem linken Innenohr zugeordnet. Das Gehör war dort so gut wie nicht mehr vorhanden, das Gleichgewicht war stark irritiert. Vermutlich brannte der Menière aus. Es war eine einsame Entscheidung, in einer Situation, in der mir jegliche Risikobereitschaft längst abhanden gekommen war. Darum habe ich die Bombe in meinem linken Innenohr mittels Gentamycin entschärfen lassen. In der nahen Folgezeit blieben weitere Anfälle aus. Allerdings hatte ich immer wieder Schwindel. Außerdem einen Reizmagen. Es hat gut 18 Monate gedauert, bis ich diesen wieder beruhigt hatte und von meinem Eimer am Bett Abschied nehmen konnte. Von Meniè

Morbus Menière - Was ist das für eine mysteriöse Erkrankung?

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Morbus Menière, ist nach dem französischen Arzt Prosper Menière benannt, der diese Krankheit nicht erfunden hat, aber sie erstmals 1861 als selbstständiges Krankheitsbild beschrieb. Menière war übrigens ein Freund der Künste und mit den Schriftstellern Victor Hugo und Honoré de Balzac befreundet, aber das nur am Rande. Bevor Jean-Martin Charcot, ein französischer Neurologe, 1874 diese wissenschaftliche Beschreibung als »Menière'sche Erkrankung« bekannt machte, wurde das Krankheitsbild als eine Form von Epilepsie bewertet. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, der Meinung sind, dass Julius Caesar, Vincent van Gogh oder Martin Luther Epileptiker waren, dann revidieren Sie bitte Ihre Meinung. Diese Männer litten, so wie ich auch, an Morbus Menière. Wobei ja »Epilepsie« »der Anfall« oder »der Übergriff« bedeutet, das Krankheitsbild auch als »Fallsucht« beschrieben wurde. Auch ich als Betroffene hatte das starke Bedürfnis, mich hinlegen zu wollen und zu müssen, wenn mich ein Menière Anf